Neues Buch „Stille Rebellinnen – Persönliche Geschichten aus dem Turmzimmer“ erschienen

„Alles, woran man glaubt, beginnt zu existieren.“
Ilse Aichinger

Dieses Zitat begleitet mich schon seit langer Zeit wie ein stiller Wegweiser. Es erinnert mich daran, wie sehr Literatur mein Leben bereichert hat: Bücher haben mich geformt, getröstet und inspiriert. Sie waren Ratgeber und Spiegel, die Beziehungen hinterfragten. Sie haben mir Hoffnung geschenkt, neue Perspektiven eröffnet und Mut geweckt, Unbekanntes zu wagen. Sie waren Quelle unzähliger Ideen, Momenten puren Glücks und Tore zu Welten, die ich sonst nie betreten hätte. Ich weiß, das klingt ein wenig kitschig – aber genauso war es. Meine Liste an Werken, die mich in verschiedenen Phasen meines Lebens inspiriert, geprägt und begleitet haben, ist lang – einen Einblick bekommt ihr in meinen Buchtipps!

Ist es vermessen zu hoffen, dass auch ich das kann? Etwas in meinen Büchern zu hinterlassen, das inspiriert ? Vielleicht eine klitzekleine Idee in meinem neuesten Werk ?

Direkt zu Jahresbeginn 2025 erschien mein viertes Buch Stille Rebellinnen – Persönliche Geschichten aus dem Turmzimmer. Es schildert meine Woche als Turmeremitin im Mariendom in Linz – hoch oben auf 68 Metern – im vergangenen Februar.

Es ist mein persönlichstes Buch geworden. In 68 Metern Höhe, umgeben von Stille und dem geheimnisvollen Echo des menschenleeren Doms, erlebte ich ein Feuerwerk an Ideen und Erkenntnissen. Besonders die nächtlichen Ausflüge durch das dunkle Kirchenschiff fühlten sich an wie Expeditionen in eine andere Welt.

Die Lektüre der Eremitentagebücher – jene Aufzeichnungen, die jeder Eremit im Turmzimmer hinterlässt, – war ein intimer Blick in fremde Gedankenwelten. Diese Tagebücher öffneten mir Fenster zu Leben, die mich tief berührten. Inspiriert von diesen Stimmen aus der Vergangenheit füllte ich innerhalb einer Woche 35 Seiten in meinem Tagebuch, geschrieben mit echter Tinte und einer Feder. Die Worte strömten dabei wie von selbst aus mir. Es war, als würde nicht ich schreiben, sondern etwas in mir, das nur darauf gewartet hatte, endlich gehört zu werden. Manchmal betrachtete ich meine eigene Hand und fragte mich verwundert: Wer schreibt das hier eigentlich?

Ich möchte jedem ans Herz legen, sich einmal eine echte Auszeit zu gönnen – abseits vom Lärm, vom Getrieben-Sein, von der digitalen Welt und den Ablenkungen des Alltags. Denn das Faszinierendste an dieser Erfahrung war für mich, dass all die Erzählungen und Zitate, die ich darüber gelesen und gehört hatte, plötzlich greifbar wurden.

Wenn man wirklich allein ist – ohne Programm, ohne Reize – passiert etwas Magisches. Man kommt bei sich selbst an. Man taucht tief ein in seine Gedanken- und Gefühlswelt, als würde man eine Tür öffnen, die im hektischen Alltag fest verschlossen bleibt.

Und nein, ich hatte niemals Angst und fühlte mich auch nicht einsam. Was ich in dieser einen Woche über mich selbst gelernt und verstanden habe, war total anregend– und ich habe auch mehrmals herzhaft gelacht – über mich.

Und ja – die Seele tankt auf: Wenn man mutterseelenallein auf dem Balkon, der rund um das Turmzimmer läuft,  steht, geschah etwas mit mir : Ich atmete tiefer. Staunte. Erlebt mit allen Sinnen gleichzeitig. Saugte das Leben ein. Die Gefühle dehnten sich aus, und plötzlich glaubte ich «mehr» zu verstehen. Ich genoss diese Momente, und kehrte nach einer Woche gestärkt zurück in meinen Alltag, den ich neu zu schätzen wusste.

In habe ich unzählige Stunden gelesen, ohne zu merken, wie die zeit verging. Seit meiner Kindheit verschlinge ich Bücher – sie waren meine besten Lehrmeister. Besonders Biografien und Romane von und über Frauen haben mich fasziniert. Vielleicht wollte ich unbewusst herausfinden, wie man später im Leben die richtigen Entscheidungen trifft. Und tatsächlich habe ich dabei viele originelle Ideen und Denkanstöße gesammelt.

Dass aus einer leidenschaftlichen Leserin eines Tages eine Schriftstellerin werden könnte, schien mir anfangs aum vorstellbar. Doch nach und nach begann ich, „einfach so“ zu schreiben – und damit war der erste grosse Schritt getan.

Ich bin stolz darauf, in fast zehn Jahren vier Bücher geschrieben und veröffentlicht zu haben. Außerdem durfte ich bei weiteren vier sehr unterschiedlichen Anthologien mitwirken („Fragen hätte ich noch – Geschichten von unseren Großeltern“, „Briefe an Angelika Kauffmann – Zeilen in die europäische Vergangenheit“, „Textland Oberösterreich“ und „Museum der einzigartigen Dinge“).

Die große Friederike Mayröcker sagte einmal: „Wie eine Lumpensammlerin notiere ich Sätze und Wörter, die ich oft auch völlig überarbeite.“ Genauso geht es mir. Ich sammle ständig Wörter – oft typisch österreichische Ausdrücke, die in einer schon lange nicht mehr genutzten Erinnerungsschublade liegen. Ich notiere Sätze, die mir spontan einfallen und gefallen. 

Der Papst, über den ich während meiner Eremitenzeit einiges las und nachdachte – besonders in jener Nacht, als ich mich verbotenerweise im menschenleeren Dom in den Bischofsstuhl setzte – hat sich kürzlich als leidenschaftlicher Leser geoutet. Er betonte dabei, dass ein Buch manchmal wichtiger sein könne als ein Gebet.

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